Annalena Baerbock reist nach Flugzeug-Panne weiter: Was sie nun erwartet


Annalena Baerbock reist nach Australien, Neuseeland und Fidschi. Auf dem Programm steht auch die Klimakrise – in ganz unterschiedlicher Form.Annalena Baerbock ist unterwegs an das andere Ende der Welt: Nach einer Flugzeugpanne geht es mit einem Tag Verspätung nach Australien, danach einen Tag nach Neuseeland und zwei in den pazifischen Inselstaat Fidschi. Wie fast immer, wenn die grüne Außenministerin auf Reisen ist, geht es auch um die Klimakrise – Klimaaußenpolitik hatte sie sich bei Amtsantritt auf die Fahne geschrieben. Als sie im vergangenen Jahr schon einmal in der Pazifikregion unterwegs war, gingen die Bilder von ihr am Strand von Palau um die Welt.Auch bei dieser Reise der Ministerin steht der steigende Meeresspiegel wieder auf der Agenda – vor allem in Fidschi, diesmal die letzte Station des Trips, sind die Menschen von ihm bereits akut bedroht. Die anderen beiden Länder haben unterdessen ganz andere Probleme. Baerbock erwartet somit ein klimapolitisches Kontrastprogramm – mit einem gemeinsamen Feind: der Erderhitzung und ihren Auswirkungen.

Station eins: Das Kohle-Land Australien

Ihre erste Station: Australien. Das Land “down under” hat in Klimabelangen den Ruf weg, vor allem eines zu sein: eingedreckt vom Kohlestaub. Mehr als die Hälfte des australischen Stroms wurde 2021 noch durch Kohle erzeugt. Das “schwarze Gold” ist eines der Top-Exportgüter. Nach absoluten Zahlen verursacht das Land 1,09 Prozent der globalen Emissionen. Umgerechnet auf die rund 25 Millionen Einwohner rankt Australien im weltweiten Vergleich allerdings auf Platz sieben der größten Klimaverschmutzer. Das liegt vor allem an der langen Untätigkeit der konservativen Regierungen ab 2013, zuletzt unter Scott Morrison.2022 wurde dieser abgelöst von Labor-Politiker Anthony Albanese. Er gelobte Besserung und verpasste den australischen Klimazielen ein Update. Bis 2030 sollen nun 43 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als 2005, das neue Ziel ist damit fast doppelt so hoch wie das der Morrison-Regierung. Wie es erreicht werden soll, bleibt jedoch auch unter Albanese noch ein großes Fragezeichen.Ein Beispiel: Albanese hält an der Stärkung der Gasinfrastruktur fest. Den “gasbefeuerten Aufschwung” hatte schon die Regierung Morrison ins Leben gerufen – er soll die australische Wirtschaft nach der Corona-Pandemie wieder aus dem Knick bringen. Die Internationale Energieagentur gibt allerdings an, dass keinerlei neue Öl- oder Gasfelder mehr erschlossen werden dürfen. Denn die Welt soll bis 2050 emissionsfrei werden – diesem Ziel hat sich auch Australien verschrieben.Ob es das Gas für die Energieversorgung überhaupt braucht, ist derweil fraglich: Australien hätte massig Potenzial für erneuerbare Energien – Wind und Sonne sind mehr als genug vorhanden, werden aber zu wenig genutzt. Kürzlich warnte die nationale Energiebehörde vor Stromengpässen: Die alternden Kohlekraftwerke drohten in den kommenden Jahren vom Netz zu gehen, bevor Ökostrom in ausreichender Kapazität zur Verfügung stünde. Einen politischen Plan für einen geordneten Kohleausstieg gibt es allerdings noch immer nicht.Auch deswegen gilt die australische Klimapolitik in der Analyse des “Climate Action Trackers” als unzureichend. Die Experten kritisieren auch die mangelhafte finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten in Schwellen- und Entwicklungsländern, zu denen sich die Industrienationen eigentlich verpflichtet hatten. Der Climate Action Tracker ist ein wissenschaftliches Projekt, das die Auswirkungen von klimapolitischen Maßnahmen dem Pariser Klimaschutzziel gegenüberstellt. Betrachtet werden die größten Emissionsverursacher. Betrieben wird das Projekt von Wissenschaftlern der Berliner Non-Profit-Organisation Climate Analytics und dem Berliner Forschungsinstitut New Climate Institute. Die Kategorien reichen von “völlig unzureichend” bis “1,5-Grad-kompatibel”. In letzterer Kategorie wird derzeit kein Land eingestuft. Die deutsche Klimapolitik gilt als “unzureichend” und liegt damit im Mittelfeld.In die Klimafinanzen ist nun allerdings Bewegung gekommen. Am Dienstag wurde bekannt, dass Australien künftig seine Entwicklungspolitik im Indo-Pazifik an der Klimakrise ausrichten wird – wohl auch aufgrund der Befürchtung, China könnte die immer häufigeren Naturkatastrophen in den oft ärmeren Staaten unter dem Deckmantel der Aufbauhilfe für seine territorialen Ambitionen ausnutzen. In der Praxis heißt das: Von Australien finanzierte Straßen müssen so gebaut werden, dass sie trotz des steigenden Meeresspiegels noch befahrbar sind, Schulen müssen zyklonsicher konzipiert werden. Baerbock dürfte das freuen – auch die deutsche Bundesregierung treibt die klimasichere Entwicklungszusammenarbeit voran.