Krieg in der Ukraine: Wladimir Putins blutiges Eigentor


Putin hat mit seinem Krieg nun für eine Geschlossenheit in der Europäischen Union gesorgt, die vorher undenkbar war. Bei der Unabhängigkeit von russischen Rohstoffen geht es nicht mehr um die Frage, ob, sondern “Wie schnell?”.Der Westen hat geschlossen scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt, mittelfristig wird Europa unabhängig von russischen Rohstoffen werden. Die Pipeline Nord Stream 2 ist endgültig in der Versenkung der fehlgeschlagenen Projekte verschwunden. Putin-Verbündete, die wie Gerhard Schröder noch immer Russland unterstützen, sind isoliert. Kurz: Russlands Einfluss schwindet massiv.

4. Die “starke” russische Armee

Die Russische Föderation ist wirtschaftlich keine Supermacht, und trotz des großen Rohstoffreichtums ist es auch Putin nicht wirklich gelungen, den Lebensstandard auf ein europäisches Niveau zu heben.Neben Gas- und Ölvorkommen machen nur das Militär und die Nuklearwaffen Russland zu einer Großmacht, aber auch dieses Bild bekommt Risse. Putin hat seine Armee modernisieren lassen und zum Beispiel im syrischen Bürgerkrieg demonstriert, dass mit Russland geopolitisch zu rechnen ist. Davon profitiert das Land auch wirtschaftlich, weil es Waffensysteme entwickelt und ins Ausland exportiert. So war der Syrien-Krieg zum Beispiel für den Kreml auch ein erfolgreicher Werbefeldzug für die S-400-Flugabwehr. Mit Waffendeals schafft Russland auch politische Abhängigkeiten, seit vielen Jahren vor allem auf dem afrikanischen Kontinent – zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik.Ein Ukrainer sitzt in einem zerstörten russischen Panzer: Auch Russland verzeichnet in der Ukraine massive Verluste. (Quelle: /imago-images-bilder)Doch die russische Führung unterschätzte den ukrainischen Widerstand, und eine der größten Armeen der Welt musste sich aus eroberten Gebieten im Norden der Ukraine zurückziehen. Moderne und schultergestützte Waffen aus dem Westen zeigen dagegen große Wirkung gegen russische Panzerverbände. Türkische Drohnen fügen Putins Armee massive Schäden zu. Wogegen man zum Beispiel den “T-14-Armata”-Panzer, der von Russland stark beworben wurde, auf dem Gefechtsfeld vermisst – offenbar, weil der modernste russische Panzer auf Teile aus dem Westen angewiesen ist.Die russische Armee ist mit Einsätzen im Kaukasus, in Syrien und in der Ukraine zudem an der Belastungsgrenze und offenbart der Welt auch, wo diese liegt. Das sind Schwächen, die sich Putin eigentlich nicht leisten kann – vor allem, wenn er mit den USA auf Augenhöhe verhandeln will.

Putin setzt auf sein Durchhaltevermögen

Letztlich ist der Ukraine-Krieg für Russland ein Unterfangen, das mit jedem weiteren Kriegstag an Sinn verliert. Wirtschaftlich, geostrategisch und auch innenpolitisch werden die Kosten für Putin immer höher, und mit Recht lässt sich die Frage stellen, was er überhaupt in der Ukraine gewinnen möchte. Am Ende muss es eine Verhandlungslösung geben, da Russland nicht mit konventionellen Mitteln die ganze Ukraine erobern kann. Zu Zugeständnissen ist der Kreml aber noch nicht bereit, momentan herrscht diplomatisch eine Eiszeit. Putin kann so strategisch nur darauf setzen, dass die Ukrainer oder der Westen weniger Durchhaltevermögen haben als er. Damit könnte er das nächste Eigentor schießen.