
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, überflutete Straßen, ausgefallene Züge. Sachschäden in Millionenhöhe. Im nordrhein-westfälischen Bad Berleburg und im oberbayerischen Valley knallten knapp golfballgroße Hagelkörner vom Himmel, im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg berichteten Anwohner von einem Tornado. In vielen Orten wurden Straßen zu Bächen, Bäume stürzten auf Autos, Keller liefen voll Wasser. Und es hätte noch deutlich schlimmer kommen können.
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Ist das noch Wetter? Ja, ist es. Aber die Häufung dieser Ereignisse ist nicht normal. Grund ist die sich rapide verschärfende Klimakrise. Doch obwohl diese größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte gestern mal wieder vor unserer Haustür stattfand, richtig alarmiert uns das Wetter nicht. Es sind eben nur Sachschäden, die da entstanden sind.
Bei ganz anderen Themen gehen unsere Emotionen hoch, wird unser Interesse geweckt. Vor allem, wenn sie uns persönlich betreffen. In der Regel dann, wenn wir uns mit etwas identifizieren, weil es uns irgendwie nahe ist. Räumlich, kulturell oder weil wir Ähnliches schon erlebt haben. Oder weil wir uns von etwas bedroht fühlen. Für unser Gehirn macht es einen Unterschied, ob ein Flugzeug in Nepal oder in Düsseldorf abstürzt.
Dieses menschliche Verhalten spiegelt sich am Ende auch täglich in der Arbeit von uns Journalisten wider. Sie, liebe Leserinnen und Leser, interessierten sich in dieser Woche vor allem für den Krieg in der Ukraine, das U-Boot-Unglück, den Unfall von Helene Fischer, den Tod einer Touristin in Neuschwanstein, die Pleite der Fußball-Nationalmannschaft. Natürlich nicht Sie persönlich, aber eine große Zahl von t-online-Lesern (sagt uns die Statistik).
Und wie war das jetzt mit dem Klima? Wann interessiert das? Nur wenn Menschen sterben wie im Ahrtal? Klar, solange die Gefahr abstrakt ist, ist das Interesse gering. Doch die Auswirkungen des Klimawandels werden inzwischen immer konkreter, es müssen nicht immer Menschen ums Leben kommen. Da taucht eine Kirche wegen der Dürre aus einem Stausee auf. Und der Nordatlantik ist dieser Tage viel zu warm. Beide Geschichten zählten zu den am meisten geklickten Artikeln der vergangenen Tage.
Und dann kommt das eigentliche Problem. Lesen wir Horrormeldungen über das Klima, stehen wir wie vor Schreck erstarrt da. Wir Menschen neigen in Krisensituationen zu Abwehrmechanismen. Wenn wir nicht ausweichen können, verdrängen wir. Wir verleugnen, reagieren aggressiv oder versuchen es mit Ausflüchten. Das ist unser erster Reflex. Erst danach rationalisieren und lösen wir die Probleme.
Wenn wir Journalisten selbstkritisch sind, sind wir oft für den ersten Teil zuständig. Wir berichten über Krisen, erzeugen Schockstarre und kommentieren dann anschließend, als würden wir die Probleme selbst am liebsten leugnen oder verdrängen (obwohl wir in unserer Redaktion versuchen, diesem Reflex nicht zu folgen). Die Rationalisierung und Lösung von Problemen überlassen wir dann gerne anderen. Darüber berichten wir dann natürlich auch, aber nicht mehr so umfassend. Das ist zwar zugespitzt und verkürzt, aber nicht ganz falsch.Wenn wir also beim Klima bleiben, was muss sich ändern?
Wir müssen verstärkt “rationalisieren”, also über Lösungen sprechen.Ein Beispiel: Am Mittwoch hat das Bundeskabinett beschlossen, das Straßenverkehrsgesetz und die Straßenverkehrsordnung zu ändern, insbesondere §45 (9).
Klingt langweilig? Ist es nicht. Bislang war dort geregelt, dass die Kommunen für die “Flüssigkeit und Sicherheit des Verkehrs” zu sorgen haben. Das soll sich nun ändern. Die Kommunen dürfen künftig der Verkehrswende mehr Priorität einräumen, um so ihre Klimaziele zu erreichen. Es ist ein kleines Puzzlestück der Klimapolitik. Aber eines mit “Wumms”, weil es viel ändern könnte auf unseren Straßen.Waaaaas? Die Politik will schon wieder die Autofahrer ausbremsen?
Schockstarre! Nein, so schlimm muss es nicht werden. Verkehrsminister Volker Wissing hat vorsorglich ins Gesetz geschrieben, die “Sicherheit und Leichtigkeit” des Verkehrs dürfe trotzdem nicht beeinträchtigt werden. Doch ohne Veränderung unserer Lebensweisen wird es nicht gehen, wollen wir der Klimakrise begegnen.
Aus.
Tauchboot “Titan” (Archivbild): Das Tauchboot ist vermutlich implodiert. (Quelle: OceanGate Expeditions/AP/dpa)Hinterher ist man immer schlauer. Den fünf U-Bootfahrern, die im Nordatlantik starben, hilft nicht mehr, was die diversen Experten nun an Erkenntnissen zusammentragen.Was da so nach und nach über die “Titan” und ihre Betreiberfirma bekannt wird, ist schon unglaublich. Das U-Boot war nicht zertifiziert, das Carbon-Material der Hülle experimentell, die Form des Bootes verteilte den Druck des Wassers nicht gut.
Ausgedacht.
Das Wahlkampfteam von Ron DeSantis lässt der künstlichen Intelligenz freien Lauf. (Quelle: Twitter / @DeSantisWarRoom)Ist Joe Biden jemand, der sich an Kindern vergreift? Auf jeden Fall, findet der republikanische Präsidentschaftskandidat Ron DeSantis. Und veröffentlicht auf Twitter mal eben einen Video-Zusammenschnitt von Szenen, auf dem der US-Präsident Kinder vor laufender Kamera merkwürdig herumschiebt. Dazu DeSantis: “Lassen Sie Ihre Finger von unseren Kindern.”Stellen Sie sich so etwas mal im bundesdeutschen Wahlkampf vor. Beides wäre ein Skandal, der dem jeweiligen Kandidaten vermutlich nachhaltig schaden würde. In den USA? Alles ganz normal. Egal ob Fake News oder haltlose Anschuldigung, alles ist erlaubt. DeSantis’ Wahlkampfteam zeigt vor allem eines: Wie verroht die öffentliche Meinungsbildung in den USA inzwischen ist.
Ausgespäht.
Sie rollen wieder. Nach 15 Jahren verpasst Google seinem Dienst “Street View” eine Generalüberholung. Und schickt Autos mit Kameras durchs Land. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte sagt schon mal vorsorglich, dass Mieter wie Eigentümer jederzeit Einspruch einlegen können. Datenschutz garantiert.
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